Sauerklee

Aus Kaktus und Kuebel

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Inhaltsverzeichnis

Der hornfrüchtige Sauerklee (Oxalis corniculata)

„Hornfrüchtiger oder Gehörnter Sauerklee ist ein, seit 1577 in Deutschland erstmals beobachteter Neophyt, dessen Heimat wahrscheinlich das tropische Asien war und vermutlich bei uns über Südeuropa eingeschleppt worden. Man geht davon aus, das sich der Sauerklee mit den Topfballen der Baumschulpflanzen in unsere Gärten eingeschmuggelt hat. Mittlerweile ist diese Art weltweit verbreitet. Er findet sich vor allem auf leicht saurem Boden oder Substraten. Es ist ein Samen- und zugleich Wurzelunkraut und sehr schwer zu bekämpfen.“

Soweit ein paar kurze Informationen aus den endlosen Weiten des Internets. Da ich schon zweimal in Pflanzenforen im Internet mehr oder weniger vergeblich um Hilfe geschrieen habe, will ich nun selbst einen kleinen Artikel über dieses liebliche Unkraut schreiben und erste Erfahrungen weitergeben, denn meine Begegnung mit dieser an sich hübschen Pflanzenart hat schon gewisse traumatische Züge.

Der Anfang

Schmunzeln muss ich über ein Erlebnis der besonderen Art, als ich auf einem Parkplatz in der Innenstadt von Hanau (geteert mit diversen Rissen in der Oberfläche), vor etlichen Jahren, zum ersten Male bewusst mit dieser Pflanze konfrontiert wurde. Strahlend gelbe kleine Blütchen und ein grünrotes Laub in Glückskleemanier. Eine schöne Pflanze und doch so zäh, sich den täglichen „Überfahrungen durch Autos“ zu trotzen.

In unserem Garten sah ich sie zum ersten Male bewusst, Jahre später, in einem Blumentopf. Aus einem Italienurlaub hatte ich mir einen schönen Pflanzenkübel mit einer Mandarine mitgenommen. Insoweit deckt sich der obige Verdacht aus dem Internet mit Einschleppung aus dem Süden. Wie ich so bin, habe ich mit einem Grinsen und Erinnerung an den Parkplatz arglos einfach das Kraut abgerissen und gut. Keine Ahnung, vielleicht noch auf unseren Gartenkompost geworfen.

Der Sauerklee kam wieder, keine Zeit und gut. Irgendwann später viel mir auf, das das Zeug inzwischen auch in den Kakteentöpfen gelandet war, im Garten, besonders unter den Rosen, in den Ritzen auf dem gepflasterten Hof und sogar auf dem gemauerten Fenstersims eines unserer Fenster, in ca. 2m Höhe. Dort kam es jedes Jahr wieder und wurde immer größer, blühte in wahrer Pracht. Darunter stehen weitere Kübelpflanzen und urplötzlich blühte es lieblich Gelb in diesen Kübelpflanzen. Aus der netten Begebenheit wurde ein lästiges etwas.

Das Ende

Dann kam die Zeit, in der ich einige Ehrenämter ausübte und dadurch in logischer Konsequenz weniger Zeit für meine eigene Sammlung hatte. Konnte ich bisher die Unkräuter in einem gewissen Zaum halten, nutzten die Jungs es schimpflich aus und ruck zuck waren sie in fast allen Töpfen meiner doch recht umfangreichen Sukkulentensammlung vertreten. Auffallend war, das viele Kakteen im unteren Bereich anfingen zu verkorken. Das Drama nahm seinen Lauf, als ich im März/April 2009 meine Pflanzen aus dem Winterquartier holen wollte und letztendlich feststellen musste, rund 600 tote und faulende Pflanzen und weitere mindestens 400 Schwerstkranke dort ihren wüsten Gestank vertrieben. Der Fäulnisgestank ähnelte schon recht deutlich dem Gestank von verwesenden Tieren.

Ich stand damit vor einem Problem, was ich nach rund 35 Jahren Kakteenzucht noch nie hatte, jammerte erbärmlich wegen der teilweise bitteren Ausfälle und hatte eine Entscheidung zu treffen, nämlich entweder die Sammlung auf ein paar wenige Pflanzen zu reduzieren oder den Kampf aufzunehmen. Ich habe mich entschlossen zu kämpfen, ob ich gewonnen habe mag ich noch nicht einschätzen, jedoch ist eine deutliche Besserung zu merken.

Analyse

Wie oben zu lesen, ist es ein Samen- sowie ein Wurzelunkraut. Ich finde, es ist in seiner Fortpflanzungshartnäckigkeit fast schon zu bewundern. Im Gegensatz zu allen bisherigen Bedrohungen meiner Sukkulentensammlung, die ich irgendwie lösen oder notfalls mit Giften beseitigen konnte, stellt dieses Unkraut die ernsthafteste Bedrohung bisher dar und sollte von niemanden unterschätzt werden.

Die Samen

Samen können natürlicherweise nur entstehen, wenn die Pflanze eine Blüte ansetzt und entsprechend befruchtet wurde. Im Gegensatz zum Internetwissen, oder besser in Erweiterung des Internetwissens, kann ich behaupten, das die Blütezeit in den Gewächshäusern fast ganzjährig stattfindet, logischerweise auf Grund der besonderen Verhältnisse und sicherlich auch auf Grund der Beheizung. In der freien Natur in Mitteleuropa beginnt die Blütezeit in der Regel, je nach Gesamtwitterung ab Mai bis Juni. Wird die Blüte dann bestäubt (wobei interessant wäre von wem), dann setzt die Pflanze spätestens nach zwei Wochen Samen an. Ab welchem Zeitraum die Samenreife erfolgt ist, konnte ich noch nicht herausbekommen, da ich verständlicherweise keine Aussaatversuche unternommen habe. Der Samen steckt in ca. 1cm langen und bis zu 0,5cm großen grünen Kapseln. Der Zeitpunkt der Samenreife bringt dem Pflanzenfreund dann den entsprechenden Kick, ist sie erreicht, dann kann ein bloßes Berühren oder sogar das Auftreffen eines Regentropfens oder sogar das Gießen das Explodieren der Kapsel bewirken (alle genannten Möglichkeiten konnte ich schon beobachten). Je nach Vitalität werden die Samen bis in Entfernungen zu 2m quasi gesprengt und damit verteilt. Sind die Pflanzen rundherum dann noch vom Morgentau oder vom Gießen leicht feucht, dann kleben die Samen an den Pflanzen. Grundsätzlich können Sie bei der Vitalität des Klees davon ausgehen, das jedes Samenkorn aufgeht. Pro Kapsel können laut Literatur rund 30 bis 50Samen enthalten sein.

Auffallend, aber an sich logisch ist, das die Samen, bzw. alsbald die Sämlinge gerne direkt an der Pflanze, am überstehenden Topfrand oder in der direkten Nähe der Etiketten aufgehen, weil durch das Losschleudern die Samen entsprechend eingefangen werden.

Die Pflanze

Ästhetisch ist nichts zu meckern, sie sehen nach meinem Geschmack sogar recht hübsch aus. Verstärkt durch unsere Pflanzenhaltung werden die Blätter derSämlinge und später auch die der größeren Pflanzen gerne von der Sonne rötlich, in Schattenregionen bleiben sie durchweg grün. Die Sämlinge bilden bereits nach sehr kurzer Zeit eine rübige Wurzel aus, die im Laufe des Wachstum tief in den Substratboden gehen und auf der Suche nach Wasser und Nahrung oft durch die Topflöcher hindurch. Hat sich die Pflanze domestiziert, werden Seitentriebe gebildet, die bereits in kurzen Abständen neue Wurzeln ausbilden. Wird dieser Prozess nicht unterbunden, ist nach rund 6 Wochen, der komplette Topf mit den Blättern übersäht und das komplette Substrat durchzogen.


Durch die Wurzelbildung in den Substraten wird das bei unseren Pfleglingen meistens überwiegend mineralische Substrat schnell humos und die Feuchtigkeit im Boden hält sich deutlich länger, insbesondere natürlich bei größeren Töpfen.


Die Blätter oder bei größeren Ansiedlungen der Blätterwald sorgen in der nächsten Umgebung zu unseren Pflanzen dafür, das ein eigenes Mikroklima entsteht. Dies bedeutet im Wesentlichen, das die Luft-und die Oberflächenfeuchtigkeit länger gehalten wird. Das ist dann eine weitere ernsthafte Bedrohung unserer sukkulenten Pflanzen, denn gerade das wollen wir schon gar nicht haben. Die sukkulente Pflanzen reagieren recht schnell mit einer Verkorkung des unteren Pflanzenbereichs, die dann ebenso schnell, in ungünstigen feuchten Wetterlagen zum Anfaulen dieser Pflanzenteile führt. Findet dieser Prozess im Winterquartier, wie bei mir, statt, sollten Sie sofort reagieren, denn die hohe Winterluftfeuchtigkeit verstärkt den Faulprozeß noch mehr.

Nachdem ich meine Substrate habe noch mineralischer werden lassen (siehe unten), konnte ich das Phänomen des „Krüppelwuchses“ feststellen. Offensichtlich wegen des Mangels an Nährstoffen und dem geänderten ph-Wert wird das Wachstum der Pflanze sichtlich reduziert. Erstaunlich war für mich, das sie trotzdem weiter wachsen kann, aber eben klein. Meine Sukkulenten haben als Abdeckung oben auf dem Substrat eine ca. 0.5cm hohe Schicht aus feingekörntem Lavalit in rotbrauner Farbe. Insbesondere wegen meinem Vater, der auf Grund seines Alters schlecht sieht, ist mir aufgefallen, das die rötliche Farbe der Blätter auf dem rotbraunen Untergrund kaum noch zu erkennen ist, was eine weitere Gefahrenquelle der Vermehrung darstellt: Man übersieht die Pflänzchen und hat man sie erkannt, lassen sie sich auf Grund der reduzierten Gestalt auch noch schlechter rupfen.

In der Zeit so ab August, konnte ich feststellen, das der Klee auch Spinnmilben anzieht, die dann natürlich auch auf viele Sukkulenten übergreifen.

Abschließend in Listenform ein paar Tipps zur Abarbeitung des Problems: Ø Das wichtigste überhaupt und das dürfen Sie mir wirklich glauben, ist ein fester Wille das Unkrautproblem anzupacken, weil Sie werden –je nach Grad des Befalles-viel Geduld benötigen, denn gerade die Samen kommen trotz aller Vorsorge, wenn auch immer geringer, immer wieder zum Keimen, es muss also mehrfach nachgezupft werden.
Ø Auf meinen zahlreichen Besuchen bei anderen Kakteenfreunden musste ich feststellen, das ich nicht alleine das Problem habe/hatte. Unterschätzen Sie bitte nie die ungeheure Vermehrungskraft dieser Pflanzen und schreiten Sie ans Werk, wenn Sie nur einen kleinen Sämling innerhalb ihrer Sammlung entdecken. Das Monster potenziert sich, da träumen selbst die Ratten davon. Also währet den Anfängen!
Ø Samenbildung vermeiden, Samenkapseln so früh wie möglich abzupfen. Wenn Sie unsicher sind, wie weit die Samenbildung fortgeschritten ist, sollten Sievorsichtig den Topf nehmen und weit weg von Ihrer Sammlung und Ihrem Substratdepot das Unkraut zupfen, denn wenn es bei der Beseitigung „explodieren“ sollte, dann lieber woanders, wo nichts angerichtet werden kann. So fiel mir auf, das an unserem neuen Sitzplatz mit gepflastertem Boden, in Kürze eine neue Ansiedlung aufging.
Ø Alle Pflanzen sorgfältig auf anklebende Samen überprüfen und intensiv Absprühen. Dies gelingt am Besten mit einem scharfen Wasserstrahl. Besondere Aufmerksamkeit sollten Sie investieren bei stark bedornten Pflanzen, da liegt das Versteck in der Regel im Detail.

Ø Die Sämlinge frühst möglich mit einer Pinzette auszupfen. Bewährt hat sich bei mir eine Pinzette, mit einer breiten Spitze, um besser greifen zu können. Die Pinzette sollte ihren Greifpunkt natürlich auch in der Spitze haben, bei älteren oder stark benutzten Pinzetten kann sich dieser Greifpunkt schnell verschieben. Ich habe mit der Pinzette rund um die Pflanze immer zuerst das Substrat gelockert. Schieben Sie die beiden Teile der Pinzette über die Pflanze hinweg in die Erde hinein, so tief es möglich ist und ziehen Sie dann anschließend die möglichst komplette Wurzel heraus. Bleibt die Rübe derPflanze im Substrat, treibt diese nach rund 2 Wochen wieder kräftig und meist sogar verästelt wieder aus. Böse Zunge sprechen hier von einer Stecklingsvermehrung. Wenn Sie dies 1000 Mal erfolgreich gemacht haben, wird in Ihnen jedes Mal ein Glücksgefühl aufsteigen.

Ø Eine gewisse Wachstumshemmung können Sie auch erreichen, weil Sie sukkulente Pflanzen pflegen. Lässt man die Kleesämlinge durch nicht gießen trocken,dann vertrocknen sie, unseren Sukkulenten macht dies kein Problem. Da erwachsener Klee die Rübenwurzel haben, funktioniert es dort natürlich nicht, beim nächsten Gießen treiben diese denn wieder durch.

Ø Ist bereits der ganze Topf durchwurzelt und/oder kommt die Wurzel bereits durch die Topflöcher, dann sollten Sie umgehend umtopfen. Dabei achten Sie darauf, das wirklich nichts mehr an den Wurzeln des Kaktusses hängt und wie bereits beschrieben, kräftig die Pflanze absprühen und anschließend trocknen lassen. Idealerweise in Quarantäne stellen. Tut sich nach Rund 8 Wochen nichts mehr, haben Sie es wirklich geschafft.

Ø Die Töpfe der infizierten Pflanzen müssen sorgfältig gereinigt und idealerweise desinfiziert werden, wenn sie wiederverwendet werden sollen. Auch hier auf Ritzen und Nischen achten, gelegentlich kleben die Samen auch hier hartnäckig fest.

Ø In der Nähe von frischer Blumenerde bzw. dem frischen Substrat sollte nie gearbeitet werden, damit keine Samen dort landen.

Ø Kaufen Sie gut sterilisierte Blumenerde, denn in inzwischen sehr vielen Erden werden die Samen schon gleich mitgeliefert.

Ø Verwenden Sie für ihre sukkulenten Pflanzen stark mineralische Erden. Auf Grund der Struktur und natürlich des ph-Wertes machen sie dem Klee wenig Freude. Idealerweise Perlite in die Erde mischen. Zu den bereits bekannten Vorteilen kommt nunmehr hinzu, das sich derKlee aus solchen Substraten deutlich einfacher herausziehen lässt.

Ø Reinigen Sie regelmäßig Ihr Gewächshaus, nebst Tischen und Stellagen.

Ø Kein Spaß, reinigen Sie sich selbst und ihre Kleidung, den die Samen hängen überall.

Ø Die Verwendung von Unkrautmitteln ist nicht nur wegen der grundsätzlichen Gefährdung sondern hier auch der unmittelbaren Nähe von unseren Lieblingen überhaupt nicht zu empfehlen, zumindest zum heutigen mir bekannten Stand nicht. Bei Berührungsgiften besteht die Gefahr, das Spritzer vom Klee auf die Kakteen springen und damit stark gefährden.

Ø Wenn Sie erfolgreich waren und den Klee gezupft haben, dann sollten Sie auf keinen Fall das Unkraut in ihren Kompost und genauso wenig in die Komposttonne tun. Die Reste gehören in die Restmülltonne oder am Besten verbrannt. Viele Kompostieranlagen liefern ihren Kompost an die Erdlieferanten oder sind selber Erdlieferanten. Der Kreislauf schließt sich.


Sehr geehrte Leser, dies ist ein erster Erfahrungsbericht, ich werde, wenn neue Erkenntnisse vorliegen, ihn weiter ausbauen. Falls Sie Ideen, Ergänzungen oder eigene weitere Erfahrungen haben, würde ich mich sehr freuen, wenn Sie mich anschreiben und informieren würden. Wichtig ist mir nur, den wunderschönen gehörnten Sauerklee aus meiner Sammlung ggfs. auch aus Ihrer Sammlung zu bekommen. Soll er doch in den Mauerritzen der Sahara vor sich hin blühen.

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