Kulturtipps Kübelpflanzen
Aus Kaktus und Kuebel
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Kübelpflanzen
Auf allen Kontinenten der Erde sind unsere Kübelpflanzen zu Hause. Aus dem Mittelmeergebiet, Nord- und Südamerika, Australien, Neuseeland, Ostasien oder Südafrika bringen sie Leben in jede Wohnung, in jedes Büro und in jede Hotelanlage. Als grüne Wächter neben Hauseingängen, blühende Rahmenhandlung auf Balkon & Terrasse oder stolze Solisten im Wintergarten geben sie Räumen eine Atmosphäre zum Wohl fühlen. Mit ihren Blüten, Früchten und ungewöhnlichen Blattstrukturen wecken sie die Erinnerung an schöne Urlaubsreisen und die faszinierende Pflanzenwelt ferner Länder. Mit diesen Pflanzen läßt sich der Traum vom Süden auch zu Hause träumen... (Zitat aus der schönen Einleitung der Homepage von Flora Toscana, siehe auch Linkliste) Durch die weite Verbreitung der Pflanzen bedingt, sind auch die Kulturbedingungen der Pflanzen oftmals sehr unterschiedlich. Bitte schauen Sie daher in meiner Datenbank nach, die einerseits gattungsspezifische sowie auch auf den Einzelseiten Hinweise für die einzelne Arten enthält. Die hier aufgeführten Tips sind daher sehr generell gehalten.
Pflanzsubstrat
Für fast alle Arten meiner Sammlung läßt sich dieses Grundrezept empfehlen: Zwei Drittel gute Blumenerde aus dem Gartencenter oder Ihrer Gärtnerei werden mit einem Drittel Kiessand und/oder Lavalit oder Bimskies vermischt. Dazu gibt man pro Liter Erde 1 g eines handelsüblichen Mehrnährstoffdüngers wie zum Beispiel Hakaphos. Die so hergestellte Erde erfüllt zwei für die Pflanzen wichtige Bedingungen: Die Erde sackt nicht so schnell zusammen und überschüssiges Wasser kann gut ablaufen. Besonders wenn zusätzlich auf dem Kübelboden eine 3-5 cm dicke Lage Kies oder Tonscherben geschichtet wird. Diese Kiesschicht und auch die Zugabe von Lavalit erhöht zusätzlich auch das Gewicht des Topfes, was für die Standfestigkeit der Pflanzen im Freien sehr günstig ist. Die Durchlässigkeit des Substrates hilft Staunässe (stehendes Wasser verursacht Wurzelfäule) zu vermeiden, dem größten Sterbefaktor bei der Pflege von Pflanzen. Zeit zum Umtopfen wird es, wenn sich der Ballen (wie oft bei gutwachsenden Palmen üblich) aus dem Pflanzgefäß drückt oder wenn die Erde verbraucht ist und die Pflanze trotz Düngung kaum noch wächst. Dann besteht der Ballen nur noch aus dem Wurzelgeflecht sowie den Steinchen. Auch wenn der Topf im Verhältnis zur Pflanze zu klein erscheint, ist ein Umtopfen anzuraten. Für hohe Pflanzen sind Töpfe mit kleinen Grundflächen nicht geeignet, weil sie bei Windstößen zu leicht umfallen. Der beste Zeitpunkt für das Umpflanzen liegt im Frühjahr zum Ausräumtermin, kann jedoch noch bis zum Ende August fortgesetzt werden. Sollte Ihre Pflanze die für Sie maximale Topfgröße erreicht haben, können Sie am besten im Frühjahr auch die Pflanze aus dem Topf nehmen und ca. 5cm rundherum mit einem scharfen Messer oder mit einem Spaten abstechen. Auch die Unterseite des Topfballens ca. 5cm abstechen. Die getrennte Erde anschließend mit frischer Erde auffüllen. Dieser Erde mische ich meistens noch getrockneten Kuhdung bei, damit die Pflanze einen besseren Start hat.
Töpfe
Sicherlich ist die Auswahl Ihrer Pflanztöpfe oftmals eine Frage des Geldes und des Geschmackes. Ich empfehle grundsätzlich die Verwendung von tonfarbenen Plastiktöpfen. Vorteile:
- Leichte Pflegbarkeit
- Gehen nicht bei jedem Windstoß in die Brüche
- Beim Umtopfen lassen sich die Pflanzen leichter aus den Töpfen holen.
- Beim Ein- oder Ausräumen der Pflanzen sind die Kübel nicht so schwer.
- Die Durchwurzelung der Erde ist gleichmäßiger
- Rötliche Töpfe ziehen nicht so die Hitze an, d. h. die Wurzeln verbrennen nicht so schnell bei hoher Sonneneinstrahlung.
- Bei Tontöpfen entstehen häßliche Ablagerungen.
Nachteil: Auch diese Töpfe sind nicht mehr die billigsten und sie werden nach einigen Jahren porös und brüchig.
Düngung
Ein handelsüblicher Depotdünger sichert die Grundversorgung Ihrer Kübelpflanzen. Er sollte zeitig im Frühjahr in die Erde eingearbeitet werden, da die Nährstoffe im inneren der Düngekugeln erst aufgeschlossen werden müssen. Erst dann stehen sie den Pflanzen zur Verfügung. Im Mai sind die Depotdüngervorräte jedoch bereits von gefräßigen Pflanzen wie dem Oleander oder der Engelstrompete aufgebraucht. Dem Ruf nach mehr folgen Sie jetzt am besten mit wasserlöslichem, mineralischem Dünger oder Flüssigdünger. Bitte verwenden Sie kein Blaukorn oder sonstige im Garten oder der Landwirtschaft übliche Dünger. Sie sind in ihrer Konzentration und Zusammensetzung nicht für Pflanzen bestimmt, die ihr Leben lang in einem Topf mit minimalem Wurzel- und Erdvolumen zurechtkommen müssen. Am besten ist ein wasserlösliches Nährsalz (Hakaphos) oder pulverförmiger Guanodünger. Sogenannter Kübelpflanzendünger, der von verschiedenen Herstellern angeboten und speziell entwickelt wird ist meistens nicht ausreichend für die Ernährung der Pflanzen und in der Relation gesehen auch viel zu teuer. Zusätzlich kann zu jeder Zeit während der Wachstumsphase eine Ladung getrockneter Kuhdung hinzugefügt werden. Dieser Naturdünger wird durch die Mikroorganismen vollständig abgebaut und wirkt auch als Bodenverbesserer. Eine Überdüngung ist schlichtweg unmöglich. Nachteil: In den beiden ersten Tagen der Düngung riecht es ein wenig nach Bauernhof... Ein genereller Düngestop gilt ab Anfang September. Sind die Pflanzen übermäßig gut ernährt, bilden sie nur weiche Triebe aus, die schlecht über den Winter kommen. Wer ab September nicht mehr düngt, hält seine Pflanzen dagegen an, reifes Holz auszubilden und sich auf den kommenden Winter einzustellen.
Überwinterung
Alle gezeigten Pflanzen können im kühlen Keller oder in der Hausgarage überwintert werden, wenn sie laubabwerfend sind. Ansonsten empfiehlt sich ein kühler Treppenaufgang, ein Dachzimmer oder ein Souterrain mit Fenster zum Überwintern. "Kühl" bedeutet hier, dass die Temperaturen auf Dauer nicht +10 °C überschreiten und +3 °C nicht unterschreiten. Die Pflanzen sollten so lange wie möglich im Freien stehen und nach dem Winter möglichst früh (März/April) an warmen Tagen wieder nach draußen kommen. Das von vielen Autoren beschriebene Ausräumen nach den Eisheiligen halte ich für Unfug, zumindest für das Rhein-Main-Gebiet. Viele Pflanzen sind härter wie Sie denken (siehe auch Mindesttemperaturen in der Datenbank). Bei Frostgefahr brauchen sie allerdings Schutz, entweder mit Abdeckungen aus alten Decken, Vlies oder Folie, oder man muss sie ins Winterquartier zurückstellen. Sonnenbrände bei Pflanzenarten, die ihre Blätter über Winter nicht abwerfen, lassen sich verhindern, wenn diese Pflanzen die ersten zwei bis drei Wochen nach dem Auszug in den Halbschatten gestellt werden; grundsätzlich sollten die Pflanzen nicht an einem sonnigen Tag, sondern besser an einem milden, aber bewölkten Tag ausgeräumt werden. Der Aufwand wird durch frühere Blüte und besseres Wachstum entschädigt. Vernässte Ballen während der Überwinterung sind eine der Hauptursachen für erhebliche Schäden. Darum wird grundsätzlich nur gegossen, wenn sich der Ballen trocken anfühlt und dann auch nur in kleinen Mengen. Überschüssiges Wasser muß ablaufen können. Bewährt hat es sich, die Töpfe im Untersetzer auf Steinchen hoch zu stellen oder wer kann, ganz auf Untersetzer zu verzichten und zwei Holzstäbchen unterzulegen. Auch Frischluftzufuhr an frostfreien Tagen bekommt den Pflanzen sehr gut. Die herab gefallenen Blätter sind unbedingt abzulesen, da sich bei mangelnder Pflege hier sich sehr schnell Schimmelpilze und Ungeziefer ansiedeln. Wer das Glück hat ein Gewächshaus sein Eigen zu nennen, sollte sich auf jeden Fall einen, dem Raumvolumen gerecht werdenden, Ventilator zulegen. Dieser verbringt wahre Wunder.
Pflanzenschutz
Viele Kübelpflanzen können von Schädlingen befallen werden. Hauptsächlich Läuse, Weiße Fliege und Rote Spinne machen ihnen zu schaffen. Im Winterquartier können bei genügend Licht und Wärme (meist >= 20 °C) Nützlinge eingesetzt werden. Im Freien ist es wichtig, dass die im Garten lebenden Nützlinge, wie z.B. Marienkäfer, Florfliegen, Schwebfliegen u.a., geschont werden. Bei starkem Schädlingsbefall ist es ratsam, sich beim örtlichen Gärtner oder bei der Pflanzenschutzberatung zu informieren. Mehr über die Bekämpfung von Schädlingen finden Sie bei den Kulturhinweisen für Kakteen. Die Gefahr der Schädlinge halten Sie durch eine möglichst artgerechte Haltung auf ein absolutes Minimum. Es gibt Jahre, in denen ich kein einziges Präparat anwenden muß. Auch ist sehr auf den möglichst optimalen Standort zu achten. Mit ein bißchen Beobachtungsgabe erkennen Sie bei Ihrem täglichen Rundgang durch die Pflanzen, ob alles stimmt.
Beschaffung
Ein großer Teil der hier aufgeführten Pflanzen läßt sich mit etwas Geschick aus Samen oder Stecklingen eigenhändig vermehren, wer sich jedoch nicht die Mühe machen will, sollte Gärtnereien aufzusuchen, die in der Regel eine reiche Auswahl an kräftigen, gesunden Kübelpflanzen anbieten. Oft sind dort schon ausgewachsene Pflanzen zu erhalten, die schon blühfähig sind, was bei Sämlingen etliche Jahre dauern kann. Sollten Sie Ihre Pflanzen nicht vom Fachhandel sondern zum Beispiel von einem Supermarkt bezogen haben, möchte ich Ihnen sofortiges Umtopfen in das obengenannte Substrat empfehlen. Die abfallende Erde nicht in Ihren Kompost sondern in eine Restmülltonne geben, da die Substrate oft hochgradig mit Chemie durchsetzt sind. Bei dieser Gelegenheit sollten Sie auch die Größe des Topfes zu überprüfen; die Töpfe sind meistens aus Transport - Kostengründen zu klein gewählt. Grundsätzlich sollten Sie nur frisch gelieferte Pflanzen bevorzugen, da besonders in Gartenmärkten öfters mal "Ladenhüter" stehenbleiben. Sicherlich kann man in den meisten Fällen auch diese wieder aufpäppeln, jedoch dürfte dies zumindest im ersten Pflegejahr kaum noch zu einer Blüte führen.